BUSINESS COACHING
Überforderung im Beruf: Wenn Arbeit dauerhaft zu viel wird
Ein paar stressige Wochen sind das eine. Wenn aus „nur noch dieses Projekt“ irgendwann der Normalzustand wird, ist es etwas anderes.
Zu viele Aufgaben, zu wenig Zeit, unrealistische Erwartungen oder fehlende Unterstützung können dazu führen, dass Arbeit dauerhaft zu viel wird. Gleichzeitig beginnt man leicht, das Problem bei sich selbst zu suchen: Bin ich einfach nicht belastbar genug?
Die wichtigere Frage lautet: Was genau macht die Situation so schwierig und was davon können Sie tatsächlich verändern?
Was steckt hinter der Überforderung?
Überforderung hat selten nur eine Ursache.
Manchmal ist die Arbeitsmenge tatsächlich nicht zu bewältigen. In anderen Fällen liegt das Problem eher in unklaren Prioritäten, fehlenden Ressourcen, widersprüchlichen Erwartungen oder einer Rolle, in der viel Verantwortung mit wenig Einfluss verbunden ist. Auch Führung, Teamdynamik und unklare Zuständigkeiten können dazu beitragen, dass Arbeit dauerhaft zu viel wird.
Ein guter Ausgangspunkt ist deshalb der Blick zurück:
Wann hat sich die Situation verändert und was war damals anders: Arbeitsmenge, Aufgaben, Rolle, Team, Führung oder verfügbare Ressourcen?
Gleichzeitig kann hohe Belastung am eigenen Selbstverständnis rütteln. Wer gewohnt ist, leistungsfähig zu sein und schwierige Situationen zu bewältigen, fragt sich schnell, warum es diesmal nicht gelingt.
Genau deshalb lohnt es sich, äußere Bedingungen und die eigene Reaktion darauf getrennt zu betrachten, ohne so zu tun, als hätten beide nichts miteinander zu tun.
Beute ich mich selbst aus?
Nicht jeder Druck wird ausgesprochen. Ein Teil entsteht dadurch, dass wir Erwartungen vorwegnehmen.
Wer zuverlässig ist, Probleme früh erkennt und Verantwortung übernimmt, wird schnell zu der Person, bei der Dinge landen. Anfangs ist das oft eine Stärke. Mit der Zeit kann daraus ein Muster werden.
Sie springen ein, wenn etwas liegen bleibt. Ihr Umfeld gewöhnt sich daran. Beim nächsten Mal wird stillschweigend damit gerechnet, dass Sie es wieder auffangen. Aus freiwilligem Einsatz wird schrittweise eine implizite Erwartung.
Auch der eigene Qualitätsanspruch kann den Druck erhöhen. Vielleicht wäre ein gutes Ergebnis für die Aufgabe völlig ausreichend, während Sie selbst nur ein sehr gutes akzeptieren.
Dann wird die entscheidende Unterscheidung wichtig: Welche Anforderungen kommen tatsächlich von außen und welchen Druck erzeugen Sie zusätzlich selbst?
Warum fällt es so schwer, Grenzen zu setzen?
Zu wissen, dass etwas zu viel ist, heißt noch lange nicht, es auch zurückweisen zu können.
Vielleicht möchten Sie niemanden enttäuschen. Vielleicht haben Sie erlebt, dass ein Nein tatsächlich negative Reaktionen auslöst. Oder es passt nicht zum eigenen Selbstbild, eine Aufgabe nicht zu schaffen oder Unterstützung zu brauchen.
Auch die Vorstellung, man müsse nur konsequenter Grenzen setzen, greift zu kurz. Nicht jede Grenze ist frei verhandelbar. Manche Handlungsmöglichkeiten liegen bei Ihnen, andere nur teilweise, und manches entscheidet schlicht jemand anderes.
Deshalb geht es nicht um ein pauschales „mehr Nein sagen“. Es geht darum, den eigenen Spielraum realistisch einzuschätzen und dort klarer zu werden, wo Sie tatsächlich Einfluss haben.
Was können Sie tun, wenn die Situation schwierig bleibt?
Die harte Realität ist:
Die meisten Unternehmen stellen kein zusätzliches Personal ein, solange es irgendwie geht und nicht jeder Vorgesetzte verändert sein Verhalten. Trotzdem müssen Sie nicht automatisch jede Lücke selbst schließen.
Oft hilft es, die Konsequenzen von Prioritäten sichtbar zu machen:
Diese Aufgaben sind in der verfügbaren Zeit möglich. Wenn etwas Zusätzliches Priorität bekommt, muss geklärt werden, was dafür zurückgestellt wird.
Damit wird aus persönlicher Überforderung wieder eine Frage von Prioritäten und Verantwortung.
Je nach Situation kann es außerdem sinnvoll sein, Unterstützung einzufordern, Zuständigkeiten neu zu klären oder Aufgaben bewusst nicht mehr aufzufangen. Und wenn sich trotz solcher Schritte dauerhaft nichts verändert, gehört auch die Frage dazu, ob die Situation für Sie noch tragfähig ist.
Wenn Belastung zur Selbstwertfalle wird
Dauerhafte Überforderung bleibt nicht immer bei der sachlichen Feststellung „Das ist zu viel“.
Daraus kann irgendwann werden: „Ich schaffe die Erwartungen nicht.“ Und daraus: „Ich bin nicht gut genug.“
Spätestens dann vermischen sich Arbeitsbelastung und Selbstwert.
Eine überfordernde Situation beweist aber nicht automatisch mangelnde Kompetenz. Entscheidend ist, genauer hinzusehen: Fehlt tatsächlich Erfahrung oder Können? Oder wären die Anforderungen auch für einen sehr leistungsfähigen Menschen problematisch?
Diese Unterscheidung verändert, welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
Wie kann Coaching bei beruflicher Überforderung unterstützen?
Bei beruflicher Überforderung ist oft schon die Einordnung ein wichtiger Schritt.
Was ist objektiv zu viel? Wo haben sich Erwartungen schleichend verändert? Welche Rolle spielen eigene Ansprüche oder Gewohnheiten? Wo gibt es realen Handlungsspielraum und wo versuchen Sie gerade, durch persönlichen Einsatz etwas auszugleichen, das eigentlich an anderer Stelle gelöst werden müsste?
Coaching kann dabei helfen, solche Zusammenhänge mit Abstand zu betrachten. Das ist nicht erst sinnvoll, wenn eine Situation festgefahren ist. Es kann genauso darum gehen, frühzeitig zu prüfen, ob der eigene Umgang mit Belastung noch trägt, Grenzen bewusster zu gestalten oder sich für ein schwieriges Gespräch zu sortieren.
Dabei betrachten wir nicht nur Sie als Person. Ebenso wichtig sind Rolle, Arbeitsumfeld, Führung, Erwartungen, Beziehungen und die Strukturen, in denen die Belastung entsteht.
Als Diplom-Psychologe und Systemischer Coach verbinde ich psychologisches Fachwissen mit langjähriger Erfahrung aus Unternehmen, Führung und Organisationsentwicklung.
Bei starken oder anhaltenden psychischen Beschwerden ersetzt Coaching keine medizinische oder psychotherapeutische Abklärung oder Behandlung.
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