PRIVATE COACHING
Gewohnheiten und Muster verändern: Warum wir immer wieder dasselbe tun
Sie wissen seit Monaten, dass Ihnen regelmäßige Bewegung guttun würde. Trotzdem gewinnt abends das Sofa. Sie wollen nur kurz aufs Handy schauen und eine Stunde später scrollen Sie immer noch. Für die Prüfung wollten Sie eine Woche vorher anfangen und sitzen dann doch erst wieder in der Nacht davor am Schreibtisch.
Bei anderen Dingen ist es schwieriger, überhaupt zu erkennen, was sich wiederholt. Beziehungen enden immer wieder an ähnlichen Konflikten. Sie übernehmen regelmäßig mehr Verantwortung, als Ihnen guttut. Oder Sie geraten in ganz unterschiedlichen Situationen irgendwann an denselben Punkt.
In beiden Fällen wissen wir irgendwann: So möchte ich eigentlich nicht weitermachen.
Bei Gewohnheiten ist meist ziemlich klar, welches Verhalten wir verändern wollen. Bei Mustern besteht der erste Schritt häufig darin, überhaupt herauszufinden, was sich da eigentlich wiederholt.
Gewohnheiten: Warum das Heute so oft gegen das Morgen gewinnt
Viele erwünschte Gewohnheiten haben einen eingebauten Nachteil: Die Anstrengung entsteht sofort, der Nutzen kommt später.
Heute Sport zu machen kostet Zeit und Energie. Regelmäßige Dehnübungen sind auf Dauer sinnvoll, aber die einzelnen zehn Minuten konkurrieren jeden Tag mit etwas Bequemerem. Für eine Prüfung frühzeitig zu lernen zahlt sich erst Wochen später aus.
Bei Gewohnheiten, die wir loswerden möchten, ist die zeitliche Verteilung häufig genau umgekehrt. Scrollen unterhält sofort. Schokolade schmeckt jetzt. Eine unangenehme Aufgabe aufzuschieben verschafft unmittelbar Erleichterung.
Der Preis folgt später.
Das erklärt, warum vernünftige Vorsätze im Alltag so erstaunlich schwach werden können. Unser Verhalten orientiert sich nicht automatisch daran, was langfristig besser für uns ist. Das, was jetzt leicht, angenehm oder entlastend ist, hat einen kräftigen Vorsprung gegenüber einer Belohnung in ferner Zukunft.
Deshalb ist es auch wenig hilfreich, sich nach jedem Scheitern mangelnde Disziplin vorzuwerfen.
Gute Gewohnheiten aufbauen und unerwünschte abbauen
Wer eine neue Gewohnheit aufbauen möchte, sollte sie nicht jeden Tag erneut zu einer Grundsatzentscheidung machen.
Eine feste Verbindung mit einer bestehenden Routine kann helfen. Die Sportsachen liegen bereits bereit. Die Dehnübungen folgen direkt nach dem Zähneputzen. Die erste Lerneinheit beginnt zu einer festgelegten Zeit und ist klein genug, um tatsächlich anzufangen.
Bei unerwünschten Gewohnheiten geht es stärker darum, die Situation zu verändern, in der das alte Verhalten fast automatisch entsteht.
Wenn das Handy neben Ihnen auf dem Sofa liegt, müssen Sie möglicherweise zwanzigmal am Abend der Versuchung widerstehen.Nachhaltiger ist meist, die Situation selbst zu verändern: Benachrichtigungen ausschalten, das Handy außer Reichweite legen, bestimmte Apps entfernen oder für die Zeit eine andere Form von Entspannung finden.
Willenskraft ist ein schlechtes Dauerkonzept, wenn sie jeden Tag denselben Kampf gewinnen muss.
Das gilt besonders dort, wo die alte Gewohnheit tatsächlich etwas leistet. Wer aus Langeweile scrollt, braucht etwas anderes als jemand, der mit dem Handy unangenehmen Gedanken ausweicht. Das sichtbare Verhalten kann gleich sein, die Funktion dahinter nicht.
Wenn aus einem Ausrutscher ein Rückfall wird
Sie wollten dreimal pro Woche trainieren. Zwei Wochen lang funktioniert es. Dann fällt eine Woche aus.
Jetzt entscheidet nicht nur die ausgefallene Woche darüber, was passiert. Entscheidend ist auch, welche Bedeutung Sie ihr geben.
„Jetzt bin ich sowieso wieder raus.“
„Ich halte so etwas eben nie durch.“
„Ab Montag fange ich noch einmal richtig an.“
So wird aus einer Unterbrechung schnell ein Neustartprojekt.
Eine Gewohnheit muss aber nicht perfekt laufen, um stabiler zu werden. Ein ausgelassenes Training, ein Abend mit zu viel Handy oder ein Tag voller Prokrastination macht die vorherige Entwicklung nicht ungeschehen.
Eine Unterbrechung zerstört keine Gewohnheit. Gefährlich wird sie, wenn sie zum Beweis erklärt wird, dass die Veränderung gescheitert ist.
Bei Mustern ist die Sache komplizierter. Dort wissen wir manchmal noch gar nicht genau, was wir eigentlich verändern müssten.
Muster erkennen: Was wiederholt sich hier eigentlich?
Menschen erleben wiederkehrende Probleme oft zunächst als eine Reihe einzelner Ereignisse.
„Ich suche mir immer die falschen Partner.“
„Irgendwie werde ich immer ausgenutzt.“
„Am Ende kontrolliert mich jeder Chef.“
Solche Beschreibungen können stimmen und trotzdem zu kurz greifen. Sie benennen das Ergebnis, aber noch nicht unbedingt das Muster.
Bei jemandem, der immer wieder „die falschen Partner“ findet, könnte sich bei genauerem Hinsehen etwas anderes wiederholen: Die Person fühlt sich besonders zu Menschen hingezogen, bei denen sie früh Eigenschaften sieht, die sie später verändern möchte. Aus „Ich suche mir die falschen Partner“ könnte dann die Hypothese werden: „Ich suche mir Partner, die ich reparieren möchte.“
Das ist keine Diagnose und noch lange keine endgültige Erklärung. Aber plötzlich wird etwas untersuchbar, das vorher nur wie Pech aussah.
Ähnlich kann aus „Andere nutzen mich immer aus“ die Frage entstehen, ob jemand sehr früh Verantwortung übernimmt, Hilfe anbietet und Grenzen erst dann setzt, wenn längst zu viel bei ihm gelandet ist.
Oder aus „Immer gerate ich an „Kontrollfreak-Chefs“, (was sich zunächst wie Pech anhört und nicht nach eigenen Mustern), wird die Beobachtung, dass man Entscheidungen gerne absichert, häufig rückfragt und damit möglicherweise genau die zusätzliche Kontrolle mit auslöst, unter der man später leidet.
Bevor man ein Muster verändern kann, muss man erst herausfinden, was sich tatsächlich wiederholt.
Manchmal ist genau das der schwierigste Schritt.
Was leistet das Muster für mich?
Ein Muster hält sich selten jahrelang, ohne irgendeine Funktion zu erfüllen.
Konflikte zu vermeiden, bewahrt kurzfristig Ruhe. Kontrolle vermittelt Sicherheit. Perfektionismus reduziert das Risiko von Kritik. Wer anderen ständig hilft, erlebt sich vielleicht als gebraucht und zuverlässig.
Der Nutzen muss nicht nur in der Vergangenheit liegen. Er kann heute noch vorhanden sein.
Das Problem entsteht, wenn der Preis inzwischen zu hoch geworden ist.
Die Konfliktvermeidung schützt vor einem unangenehmen Gespräch und lässt gleichzeitig Probleme wachsen. Kontrolle beruhigt und erschöpft. Übermäßige Hilfsbereitschaft schafft Anerkennung und führt dazu, dass immer mehr Verantwortung bei derselben Person landet.
Auch Glaubenssätze können Teil solcher Muster sein. Sätze wie „Ich darf niemanden enttäuschen“, „Wenn ich es nicht selbst mache, geht es schief“ oder „Konflikt gefährdet die Beziehung“ beeinflussen, wie Situationen wahrgenommen werden und welches Verhalten anschließend selbstverständlich erscheint.
Ein Muster zu verstehen heißt deshalb auch zu fragen: Was bekomme ich dadurch und was kostet es mich inzwischen?
Wenn andere das Muster mittragen
Wer jedes Problem übernimmt, erlebt irgendwann, dass andere Probleme tatsächlich häufiger bei ihm abladen. Wer unangenehme Themen lange nicht anspricht, vermittelt seinem Umfeld unbeabsichtigt, dass bestimmtes Verhalten folgenlos bleibt. Wer auf Kritik sofort defensiv reagiert, kann wiederum eine schärfere Reaktion des Gegenübers auslösen.
Dann entsteht eine Schleife:
Ich reagiere auf dich.
Du reagierst auf mich.
Deine Reaktion bestätigt meine ursprüngliche Erwartung.
Also verhalte ich mich beim nächsten Mal noch stärker genauso.
Niemand muss dieses Muster bewusst geplant haben.
Das ist auch der Grund, warum Veränderung Irritation auslösen kann. Wenn jemand plötzlich keine Aufgaben mehr automatisch übernimmt, muss ein anderer mehr Verantwortung tragen. Wenn jemand beginnt, Grenzen früher zu setzen, passt das möglicherweise nicht zu dem, woran sich das Umfeld gewöhnt hat.
Die Reaktion anderer beweist dann nicht automatisch, dass die Veränderung falsch ist. Sie kann schlicht zeigen, dass sich ein eingespieltes Zusammenspiel verändert.
Verstehen reicht noch nicht
Manche Menschen können ihre eigenen Muster erstaunlich gut erklären und trotzdem weiter darin leben.
„Ich weiß, dass ich Konflikten ausweiche.“
„Ich weiß, dass ich immer zu viel übernehme.“
„Ich weiß, dass ich vor Prüfungen prokrastiniere.“
Diese Einsicht ist wertvoll. Sie ersetzt aber keine neue Erfahrung.
Bei einer Gewohnheit bedeutet Veränderung häufig, Auslöser, Umgebung und Wiederholung anders zu gestalten. Bei einem zwischenmenschlichen Muster entsteht Neues erst dann, wenn in der entscheidenden Situation tatsächlich etwas anders geschieht.
Eine Grenze früher ansprechen. Eine Entscheidung nicht noch einmal absichern. Einen anderen Menschen sein Problem selbst lösen lassen. In einem Konflikt sitzen bleiben, statt sofort nachzugeben.
Erst dann zeigt sich, ob die bisherige Erwartung tatsächlich stimmt.
Verstehen verändert die Landkarte. Neues Verhalten verändert die Erfahrung.
Muss ich das überhaupt verändern?
Nicht jede Gewohnheit verdient ein Optimierungsprogramm. Und nicht jedes wiederkehrende Verhalten ist ein psychologisches Problem.
Sie müssen nicht produktiver, disziplinierter, sportlicher oder konfliktfähiger werden, nur weil irgendwo ein Maßstab dafür existiert. Oder “aus-jeder-konfortzone-gehen” nur weil uns das als unumgängleiche Pflichtübung suggeriert wird.
Die bessere Prüfung lautet:
Was kostet mich dieses Verhalten und was würde sich in meinem Leben tatsächlich verbessern, wenn ich es ändere?
Vielleicht ist eine Gewohnheit objektiv nicht ideal und für Sie trotzdem völlig in Ordnung. Vielleicht entspricht ein vermeintliches Defizit vor allem den Erwartungen anderer. Und vielleicht gibt es ein Muster, das tatsächlich Beziehungen, Gesundheit, Entwicklung oder Lebensqualität beeinträchtigt.
Veränderung ist kein Selbstzweck.
Wie kann Coaching bei Gewohnheiten und Mustern unterstützen?
Bei Gewohnheiten ist häufig klar, was sich ändern soll. Schwieriger ist die Frage, warum der Vorsatz im konkreten Alltag immer wieder verliert. Im Coaching können wir genau dort hinschauen: Was passiert unmittelbar vorher? Was macht das alte Verhalten attraktiv? Welche Bedingungen müssten sich ändern, damit das neue Verhalten eine reale Chance bekommt?
Bei Mustern beginnt die Arbeit oft früher. Manchmal ist die eigene Erklärung selbst Teil des Problems.
Ein unabhängiges Gegenüber kann Wiederholungen bemerken, die innerhalb der eigenen Sichtweise kaum auffallen. Zum Beispiel:
„Sie haben jetzt drei sehr unterschiedliche Situationen beschrieben. Mir fällt auf, dass Sie jedes Mal sehr früh Verantwortung dafür übernehmen, dass es dem anderen gut geht. Könnte das miteinander zusammenhängen?“
Das ist zunächst nur eine Hypothese. Gemeinsam lässt sich prüfen, ob sie trägt, welche Funktion das Verhalten hat und was passiert, wenn an einer Stelle bewusst etwas anders gemacht wird.
Coaching verbindet damit Reflexion und Experiment. Wir versuchen nicht nur zu verstehen, warum etwas bisher so funktioniert hat. Wir schauen, was sich verändert, wenn Sie im wirklichen Leben eine andere Erfahrung machen.
Als Diplom-Psychologe und Systemischer Coach verbinde ich psychologisches Fachwissen mit einem systemischen Blick auf Verhalten, Beziehungen und die Bedingungen, unter denen Gewohnheiten und Muster entstehen und bestehen bleiben.
Sie wissen, was Sie verändern möchten, aber das alte Verhalten kehrt immer wieder zurück?
Sie fragen sich, in welchen Mustern Sie gefangen sind und wie Sie diese überwinden?
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