BUSINESS COACHING

Anspruchsvolle Führungssituationen: Wenn Routine nicht mehr reicht

Der größte Teil von Führung ist Routine – Aufgaben verteilen, Termine abstimmen, Feedback geben, Prioritäten klären. Für diese Situationen haben die meisten Führungskräfte mit der Zeit ein sicheres Repertoire entwickelt.

Schwierig wird es dort, wo dieses Repertoire nicht greift: bei einer Kündigung, die Sie selbst nicht für richtig halten, bei einem Konflikt zwischen zwei starken Teammitgliedern, bei einer Entscheidung, für die es keine gute Option gibt, nur die am wenigsten schlechte.

Oder ganz unspektakulär: Ein Mitarbeiter liefert dauerhaft nicht die erwartete Leistung. Im Team übernimmt kaum jemand wirklich Verantwortung. Probleme landen zuverlässig bei Ihnen. Und irgendwann merken Sie, dass Sie mehr und mehr zum Reparaturbetrieb des eigenen Teams werden.

Dann reicht es nicht, einfach „klarer zu führen“. Die interessantere Frage lautet: Was passiert hier eigentlich – und wodurch wird das Muster immer wieder stabilisiert?

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Wenn ein Mitarbeiter nicht die erwartete Leistung bringt

Minderleistung ist unangenehm, weil sie Führung zwingt, genau hinzuschauen.

Ist die Erwartung klar? Ist sie realistisch? Fehlen Fähigkeiten oder Erfahrung? Ist die Verbindlichkeit nicht da? Oder soll jemand unter Bedingungen liefern, die die erwartete Leistung schlicht nicht hergeben?

Diese Unterscheidung ist nicht akademisch. Ein Kompetenzproblem braucht eine andere Antwort als fehlende Verbindlichkeit. Und eine unrealistische Erwartung wird nicht dadurch realistischer, dass man sie härter formuliert.

Ist dagegen klar, was erwartet werden kann und die Leistung bleibt dahinter zurück, braucht es Führung: das Problem benennen, Erwartungen konkret machen, Unterstützung vereinbaren und anschließend auch prüfen, was sich verändert.

Zu langes Warten hilft weder dem Mitarbeiter noch dem Team.

Schwierige Gespräche werden durch Aufschieben selten leichter

Kritisches Feedback, Grenzüberschreitungen oder Konflikte lösen sich nicht verlässlich dadurch, dass man ihnen mehr Zeit gibt. Meist werden sie nur größer.

Klarheit ist dabei nicht dasselbe wie Härte.

Ein gutes schwieriges Gespräch benennt, was beobachtet wurde, welche Wirkung es hat und was sich ändern muss. Es braucht keine Schärfe um ihrer selbst willen. Aber es braucht eine Botschaft, die am Ende nicht erraten werden muss.

Kompliziert wird es, wenn Ärger, Rechtfertigung oder persönliche Vorwürfe ins Spiel kommen. Dann zählt beides: die Reaktion ernst nehmen und trotzdem beim eigentlichen Thema bleiben.

Der Mitarbeiter übernimmt zu wenig Verantwortung

Vielleicht erleben Sie, dass Probleme früh nach oben gegeben werden, Entscheidungen immer wieder abgesichert werden oder Aufgaben nicht wirklich zu Ende gebracht werden. Irgendwann entsteht der Gedanke: Wenn ich es nicht selbst mache, passiert es nicht.

Genau hier lohnt sich der systemische Blick.

Wenn Sie unter Zeitdruck eine Aufgabe selbst übernehmen, lösen Sie zunächst ein Problem. Wenn Sie sofort eine Antwort geben, helfen Sie. Wenn Sie einen Entwurf komplett überarbeiten, sichern Sie Qualität.

Kurzfristig sinnvoll. Langfristig kann daraus ein Lernmuster entstehen.

Wenn Sie Entscheidungen am Ende doch treffen, Lösungen liefern oder Ergebnisse so stark korrigieren, dass am Schluss Ihre Version übrig bleibt, sinkt der Anreiz, die volle Verantwortung selbst zu übernehmen. Nicht aus Bosheit. Nicht als Spiel. Sondern weil beide Seiten gelernt haben, wie das System funktioniert.

Dann reicht der Appell „Seien Sie bitte proaktiver“ nicht.

Mehr Eigenverantwortung entsteht dort, wo Verantwortung tatsächlich liegen bleibt. Unterstützung geben, ohne die Lösung zu übernehmen. Nicht jede Entscheidung zurückholen. Nicht jedes Ergebnis so lange korrigieren, bis es wieder aussieht wie das eigene.

Entwicklung entsteht nicht nur dadurch, Verantwortung zu übertragen. Sie entsteht auch dadurch, sie nicht zu früh wieder zurückzunehmen.

Wenn Zusammenarbeit und Autorität schwieriger werden

Nicht jeder Widerspruch ist ein Autoritätsproblem.

Mitarbeitende dürfen Entscheidungen kritisieren. Sie dürfen anderer Meinung sein. Sie dürfen Risiken sehen, die die Führungskraft übersieht.

Etwas anderes ist es, wenn Vereinbarungen regelmäßig ignoriert, Entscheidungen unterlaufen oder Grenzen dauerhaft überschritten werden.

Dann geht es nicht mehr um unterschiedliche Sichtweisen, sondern um Verbindlichkeit.

Verständnis für die Perspektive des anderen und klare Grenzen schließen sich nicht aus. Führung muss manchmal deutlich machen, welches Verhalten künftig erwartet wird und was passiert, wenn sich nichts verändert.

Manchmal liegt das Problem nicht im Mitarbeiter

Führung findet nie im luftleeren Raum statt.

Sie sollen Leistung einfordern, obwohl Ressourcen fehlen. Ihre eigene Führung erwartet schnelle Ergebnisse, gibt Ihnen aber kaum Entscheidungsspielraum. Andere Bereiche blockieren eine Lösung, verfolgen andere Prioritäten oder senden widersprüchliche Signale.

Dann kann man sich als Führungskraft sehr lange daran abarbeiten, das Problem durch noch mehr persönlichen Einsatz zu kompensieren.

Der systemische Blick verschiebt die Frage:

Was kann auf meiner Ebene tatsächlich gelöst werden – und was muss an anderer Stelle entschieden oder verändert werden?

Gute Führung heißt nicht, jeden organisationalen Widerspruch persönlich aufzufangen. Manchmal heißt sie, ihn sichtbar zu machen, Ressourcen einzufordern oder eine Eskalation nicht länger zu vermeiden.

Und wenn mein eigenes Führungsverhalten Teil des Musters ist?

Das ist nicht immer die angenehmste Perspektive, aber oft eine sehr nützliche.

Unter Druck kontrollieren manche Führungskräfte stärker. Andere vertagen das klare Gespräch. Wieder andere übernehmen Aufgaben selbst, weil sie das Ergebnis sichern wollen. Manche versuchen so lange, alle Interessen gleichzeitig zu berücksichtigen, bis kaum noch eine Entscheidung übrig bleibt.

Diese Reaktionen sind verständlich. Genau deshalb halten sie sich so hartnäckig.

Die entscheidende Frage lautet nicht: Wer ist schuld?

Sondern: Welche meiner Reaktionen hilft mir kurzfristig – und stabilisiert langfristig genau das Muster, das ich verändern möchte?

Damit wird das Problem nicht auf die Führungskraft zurückdelegiert. Im Gegenteil: Es wird sichtbar, welcher Teil des Systems überhaupt in der eigenen Hand liegt.

Wenn schwierige Führungssituationen nachwirken

Manche Situationen sind mit dem Gespräch nicht vorbei.

Ein eskalierter Konflikt, eine unangenehme Personalentscheidung oder eine Situation, in der man sich im Nachhinein zu hart oder zu nachgiebig erlebt hat, kann die nächste Führungssituation mitprägen.

Dann wird man vielleicht vorsichtiger, kontrollierender oder konfliktscheuer, ohne es bewusst zu entscheiden.

Auch deshalb lohnt sich Reflexion nicht nur vor schwierigen Situationen, sondern manchmal gerade danach: Was ist da passiert? Was war hilfreich? Was würde ich heute anders machen? Und was möchte ich aus dieser Erfahrung gerade nicht unbemerkt in die nächste Situation mitnehmen?

Wann kann Coaching sinnvoll sein?

Coaching muss nicht erst dann beginnen, wenn eine Führungssituation festgefahren ist.

Manchmal geht es um eine konkrete Herausforderung: ein Gespräch über Minderleistung, einen Konflikt, fehlende Eigenverantwortung im Team oder die Frage, wie deutlich eine Situation eskaliert werden sollte.

Manchmal geht es um etwas anderes: Bin ich mit meiner Einschätzung überhaupt auf dem richtigen Weg? Übersehe ich einen wichtigen Aspekt? Wiederholt sich in meinem Führungsverhalten ein Muster? Wie möchte ich in solchen Situationen künftig führen?

Gerade in anspruchsvollen Rollen fehlt häufig ein neutraler Sparringspartner. Kolleginnen und Kollegen sind Teil des Systems, die eigene Führung hat eigene Interessen und mit dem Team lässt sich nicht jede Unsicherheit offen besprechen.

Im Coaching entsteht Raum, eine Situation ohne diese Rücksichten zu betrachten. Wir können konkrete Gespräche vorbereiten, unterschiedliche Perspektiven prüfen, die eigene Wirkung reflektieren oder eine bereits abgeschlossene Situation auswerten.

Nicht jede schwierige Situation braucht eine neue Methode. Manchmal braucht sie einen guten Gegenüber, der mitdenkt, widerspricht und hilft, genauer hinzusehen.

Als Diplom-Psychologe und Systemischer Coach verbinde ich psychologisches Fachwissen mit langjähriger eigener Führungserfahrung sowie Erfahrung in Organisationsentwicklung und Veränderungsprozessen.

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